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Blog & Wissenswertes

Grubenpferde im Ruhrbergbau

von Andrea Fleiter
Tobias stellte sich quer. Kein Zureden, keine Leckereien konnten ihn bewegen, in den Förderkorb zu treten. Erst in der nächsten Nacht gelang es, ihn auszutricksen. Zwölf Minuten dauerte die Seilfahrt. Dann stand Tobias zum ersten Mal seit mindestens sechs Jahren wieder unter freiem Himmel. Das vermeintlich letzte Grubenpferd des Ruhrgebiets hatte am 23. Juni 1966 seine letzte Schicht unter Tage beendet. Zeitungen und WDR berichteten ausführlich. Grubenpferde waren Symbolfiguren des Kohlereviers geworden, das sich mitten im Strukturwandel befand. Sie waren „Kamerad“ und „Kumpel“ der Bergleute. Das war nicht immer so gewesen. Als in den 1850 er-Jahren die ersten Pferde in die Kohlegruben der Ruhr kamen, sah man in ihnen vor allem Arbeitstiere. Ihre Leistung trug maßgeblich zum Aufschwung des Ruhrbergbaus bei. Grubenpferde transportierten abgebaute Kohle zum Schacht, Abraum zur Verfüllung von Hohlräumen und Arbeitsmaterial. Auf Strecken von bis zu 1.500 Metern Länge zogen sie während einer achtstündigen Schicht – je nach Ladung und Gefälle – acht bis zehn Wagen mit jeweils einer halben Tonne Gewicht zehn Mal hin und her.

Im Jahr 1882 hatten 2.200 Pferde bereits 15.000 Förderleute ersetzt. 1910 zählte man im Oberbergamtsbezirk Dortmund 8.394 Tiere im Untertagebetrieb. Kräftig, gehorsam und gutmütig 
Die ersten Grubenpferde waren die kleinen, aber kräftigen Shetland Ponys. Mit größer werdenden Streckenquerschnitten bevorzugte man Kaltblüter französischen oder belgischen Ursprungs. Tüchtige Grubenpferde sollten ein Stockmaß von 1,75 m nicht überschreiten, von ruhigem Temperament sein, gehorsam, intelligent und zuverlässig im Zug. Wenn sie im Alter von vier bis fünf Jahren in die Gruben kamen, waren sie als Arbeitspferde über Tage Zugdienste gewohnt und wurden in ihrer neuen Umgebung zwei bis vier Wochen angelernt. Im ausgehenden 19. Jahrhundert interessierte die Grubenbeamten ausschließlich der Arbeitsleistung der Tiere, die sie ohne Rücksicht auf deren Leistungsfähigkeit zu steigern suchten. Misshandlungen kamen vor.

Die Tierschutzbewegung, die sich ab den 1870er-Jahren formierte, aber auch die Verbesserung der humanen Arbeitswelt, Arbeitsschutz, Hygiene und Ausbildung emotionalisierten ab den 1920er-Jahren die Beziehung zwischen Bergmann und Pferd. Jahrelange Arbeit unter Tage In den dunklen und engen Strecken bestand Stolpergefahr. Grubenholzausbauten und Kohlenwagen verursachten Riss- und Schrammwunden. Herabhängende Drähte verletzten die Augen der Pferde, die von Staubpartikeln ohnehin getrübt wurden. Das Fehlen von frischem Grünfutter bedingte Mangelernährung. Das salzhaltige Grubenwasser schädigte die Hufe und förderte Warzenmauke und Hufkrebs. Ein chronisch gefäßverengendes Lungenemphysem, Dämpfigkeit genannt, war verbreitet. Die Pferdeseuchen Rotz und Druse konnten zur Notschlachtung ganzer Bestände führen. Die meisten Grubenpferde arbeiteten sechs bis sieben Jahre unter Tage, einzelne mehr als zwölf. 
Tobias war 14, vielleicht 19 Jahre alt, als er in den Ruhestand trat, und hatte weit über zehn Jahre als Schlepper gearbeitet. In kleinen Stollenzechen konnten Pferde täglich auf die Weide geführt werden. In den Tiefbauzechen war dies jedoch zu aufwändig, zumal die Tiere Förderkörben misstrauten und jede Seilfahrt Strapazen bedeutete. Mit wachsendem Pferdebestand wurden deshalb ab den 1870er-Jahren in den großen Schachtanlagen unterirdische Ställe gebaut, die bis zu fünfzig Tiere beherbergten. Um 1900 gebaute Unterstände waren gepflastert, elektrisch beleuchtet und verfügten über Frischwasserleitungen. Stallknechte fütterten und pflegten die Tiere. Die Zechen hatten ein betriebswirtschaftliches Interesse am guten Zustand ihrer Pferde und sorgten für tierärztliche Betreuung.

Im Ruhrgebiet gehörten die Tiere nur in wenigen Fällen den Zechen selbst. Unternehmer mit tausenden Pferden fungierten als Verleiher. Die Bergwerke stellten das Personal, Einstreu, Wasser und Hufbeschlag, die Pferdeunternehmer das Futter, Geschirr, Decken und sonstiges Zubehör. Die Pacht berechnete sich pauschaliert nach der Leistungsfähigkeit des Pferdes. Die Zechen sparten sich dadurch den aufwendigen Pferdekauf und Fachpersonal für die Haltung. Die Pferdeunternehmer erzielten beim Einkauf günstigere Preise und konnten bei Grubenuntauglichkeit noch Geld vom Schlachter erlösen. Das letzte Grubenpferd 
Als Tobias seinen Dienst aufnahm, war die große Zeit der Grubenpferde lange vorbei. Zwangsrekrutierung und die Futtermittelknappheit hatten die Bestände bereits im Ersten Weltkrieg schrumpfen lassen. Lokomotiven und Förderbänder ersetzten die Pferde. Aber im Ruhrgebiet verlief dieser Prozess langsamer als in anderen Revieren. 1942 zählte man 1.005 und 1950 noch 550 Grubenpferde, zumeist in Betrieben, in denen sich der Einsatz von Grubenlokomotiven nicht rentierte. Während der Abschied von Tobias großes Aufsehen erregte, stand auf der Zeche Lothringen in Bochum-Gehrte noch ein Pferd untertage im Stall. Im August 1966 wurde der ca. 21 Jahre alte Schimmel-Wallach „Seppel“ als letztes Grubenpferd ohne viel Aufsehen zu Tage gebracht.

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